Warum ich so erfolgreich bin

Seit der Digitalisierung kann ich mich vor erfolgreich gar nicht mehr retten. Natürlich sind alle Auftraggeber, für die ich arbeite, erfolgreich. Wieder haben sie ein Projekt erfolgreich abgeschlossen. Und sind seit Jahrzehnten im Bereich B2B in der Branche IxYpsilon erfolgreich tätig. Vielleicht nicht reich. Aber „erfolg“ klein geschrieben macht den Sprachklang nicht so aufdringlich.

Und ich? Und jetzt? Hahaa. Ich hatte mich soeben erfolgreich in mein Online-Banking-Portal eingeloggt. Vor allem aber – und was könnte aufbauender sein?, danach: „Sie haben sich erfolgreich ausgeloggt!“. Puuh! Erfolgreich ausgeloggt! Fast hätte ich mir erfolgreich Geld vom Automaten abgehoben und mein Konto damit ebenso erfolgreich geplündert. Warum sagt der Typ am Schalter so was nicht zu mir? Ich würde ihn viel öfter besuchen und so das Filialsterben verhindern. Erfolgreich. Oder bin ich erfolgreich, weil ich nicht aus Versehen mein ganzes Geld verzockt habe?

Übrigens, als ein Synonym für erfolgreich spuckt mir ein Online-Wörterbuch „siegreich“ aus. Hurra, siegreich! Es gab mal einen siegreichen deutschen General. Ich meine nicht Helmuth von Moltke den Älteren, den Wüstenfuchs Erwin Rommel oder Leberecht von Blücher, den Sieger von Waterloo. Ich meine Paul von Hindenburg, der als Reichspräsident später einen Führer als Kanzler installiert hat. Erfolgreich, versteht sich. Dieser Paul war im Ersten Weltkrieg so erfolgreich gewesen, dass er später behauptet hat, sein deutsches Heer habe nicht vor dem Feinde kapituliert. Es, nein, ER, sei im Felde ungeschlagen. Die verruchten Sozialisten warn’s. Diese jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung und die von ihr verblendeten, streikenden deutschen Arbeiter. „Ich habe siegreich kapituliert“, wollte uns Herr von Hindenburg mit seiner Lüge wissen lassen, der sogenannten Dolchstoßlegende. Könnt ihr alle erfolgreich nachlesen.

Wenn ich mich heute erfolgreich aus einem System auslogge, liegt der Erfolg daran, dass ich keine Millionen von Toten eines Ehrvolks und keine Lügen hinterlasse. Genauer genommen hinterlasse ich gar nichts außer Spuren für die Cookies, die Amazon & Co. noch erfolgreicher machen. Das sollte doch ausschlaggebend sein. Ausschlag gebend. Auch so’n schönes, nicht wirklich gewaltfreies Schlagwort, mit dem man auch, linguistisch gesprochen, Krankheiten verbreiten könnte.