Kapitel 1: Anfang April 2020. Ein völlig bescheuertes Katz- und Maus-Spiel.

In Bayern ist es nicht mehr erlaubt, allein auf einer Wiese oder Parkbank zu sitzen. Zieh dir das mal rein: Allein auf einer Parkbank! Verboten! Wer um alles in der Welt hat sich den Schwachsinn ausgedacht? Ich darf in der U-Bahn sitzen, aber nicht allein auf der Parkbank. Weil ich dort das Virus unter alte, kranke Risikogruppen streue, nicht aber in der prall vollen Feierabendverkehrs-U-Bahn? Verquere Logik.

Ich muss aber raus, auf die Bank, an den See, auf die Wiese. Warum? Weil ein Texter, der kreative Ideen braucht, nicht 24/7/365 nur allein im Home-Office sitzen kann. Tapetenwechsel ist systemrelevant, ja, lebenserhaltend!

Im Winter und bei schlechtem Wetter heißt das: Mittags joggen und nachmittags mit Notebook ins Café. Bei Wärme und Sonne: 10-Zoll-Netbook in die Radeltasche und ab nach außerhalb der Stadtgrenzen, da wo See oder Berge leuchten, die Sonne lacht und das 4G-Signal halbwegs stabil blinkt.

Im April 2020: Sonne pur. Gott sei Dank! Café fällt ja aus wegen Lockdowns. Dann kommen zwei wichtige Gemeindevollzugsbevollmächtigte und verscheuchen mich und den Angler von gegenüber und verbannen uns von der Seewiese. In einer Waldlichtung schlage ich mein Notebook wieder auf, hier kommen ganz sicher keine Uniform-Unfehlbaren vorbei …

Kapitel 2, Mitte April 2020: Setz dich, gesunder Menschenverstand.

… so geht das, bis Herr Ministerpräsident des Freistaats Bayern, Markus Söder, Tage später verkündet: Auf Parkbänken und Wiesen verweilen ist erlaubt. Na also, geht doch!

Kapitel 3, Ende September 2020: Nach Lockerungen wieder Lockdowns.

München überschreitet eine magische Zahl an Neuinfektionen. Warum? Weil mehr getestet wird als im April. Weil mehr Tests verfügbar sind. Ein Reiter* kriegt kalte Füße im Sattel und muss handeln, hoch zu Ross. Plötzlich gibt es wieder Kontaktbeschränkungen. Nicht in ganz Bayern, aber in München. Nur fünf Personen aus zwei Haushalten dürfen sich treffen. Und die Grippesaison steht erst bevor.

Was droht uns? Wieder Gastro-Lockdown und Geschäfte-Ruinieren? Nicht mit mir, Herr R.! Draußen sitzen ist im Winter nicht mehr drin. Kommt der Gastro-Zwangsschluss, gehen nicht nur Tausende Betriebe Pleite und Zehntausende Arbeitsplätze verloren. Ohne Café-Stündchen am Nachmittag zum Tapetenwechsel verdorrt der allein lebende Home-Office-Worker und mit ihm schlafen die Ideen ein.

Kommt der, die oder das Lockdown, ziehe ich zur Freundin nach Dachau, um weiterhin ins Café zu können. Dort ist es erlaubt. Das offenbart aber auch den Unsinn solcher Unumsichtigkeiten. Du musst nur eine Grenze überschreiten – eine banale Stadtgrenze! Schon darfst du dein Virus wieder fröhlich unter die Leute verbreiten! Erklär mir mal einer den Sinn des Ganzen. Vielleicht kann es ja … Christian Drosten??

* Dieter Reiter, Münchner Oberbürgermeister. Von mir gewählt. Vor Corona.